waibakram

waibakram

Jeden Tag

begegnet mir Neues, Interessantes, Schönes und auch Dinge, die mir nicht gut gefallen. Hier möchte ich darüber schreiben, was mir so auffällt. Wo ich gedanklich hängenbleibe. Meine "Bilder" in Worte fassen. Mein Leben in Bilder fassen.
Schreibt mir ein E-Mail, wenn Euch etwas dazu einfällt.

Parzival

MärchenGeschrieben von ameli So, Januar 31, 2010 21:43:40



Heute hat endlich mal wieder die Sonne herausgeschaut. Auch frischer Schnee ist über Nacht gefallen. Den Hunden hat es auch sehr gefallen.
Da ich es nicht lassen kann mich auch heute etwas zu ärgern, habe ich mich über Parzival aufgeregt. Er ist mir in den Sinn gekommen und ich habe die Zusammenfassung der Parzivalgeschichte von Wolfram von Eschenbach noch einmal gelesen. Sie ärgert mich jedes mal, wenn ich daran denke. Warum bekommt dieser Parzival dann doch den Gral, obwohl der lange offensichtlich zu beschränkt ist, ihn zu erlangen. Die Frauen wissen, was er nicht richtig macht und weisen ihn darauf hin, ermahnen ihn immer wieder, dem Gral würdig zu handeln. Ihm geht es nicht um das würdige Handeln, sondern nur darum, das Ding dann endlich in den Händen zu halten. Die Macht über den Gral erhalten zu haben. Das kann doch nicht der würdige Träger des Grals sein. Da wird einer hochgelobt, der blind in der Gegend herumstolpert und sich überall lächerlich macht. Und diese Geschichte ist seit 1300 ein Leitbild unseres Heilsverständnisses.

Drachen

MärchenGeschrieben von ameli Di, Januar 26, 2010 22:29:13
Der Schnee hat wieder einmal alles bedeckt. Die rutschigen Eisflächen, die grauen Schneehäufen, überhaupt das ganze Grau. Jetzt fehlt nur noch die Sonne um das Weiß erstrahlen zu lassen.
Ich gehe fast täglich an einer kleinen Kapelle vorbei, die dem heiligen Georg, dem Drachentöter geweiht ist. Der Drachentöter ist ein beliebtes Motiv im katholischen Raum. Er ist der Bezwinger der ungezähmten Natur, der Bezwinger der Schöpfung. Die ältesten Geschichten dieser Art sind babylonische Überlieferungen. Hier kämpfte Marduk gegen Tiamat und tötete sie um die Welt zu schöpfen.

Das bedeutet, er tötete seine Mutter, um die Macht zu erlangen, die Welt zu erschaffen. Gibt es nur ein Entweder-Oder. Entweder der eine hat die Macht oder die andere. Entweder ich sage, wo es lang geht oder du. Woher weiss ich, dass du einen anderen Weg gehen würdest als ich? Woher weisst du, dass ich nicht zufällig den selben Weg gehe wie du. Der Drachentöter tötet, bevor er in Kontakt tritt, bevor er das Ungeheuer näher kennengelernt hat, denn er geht davon aus, dass es ein Ungeheuer ist.
In der asiatischen Tradition ist der Drache ein Glücksbringer, die Menschen haben ein völlig anderes Bild von ihm.
Unser westliches Drachenbild ist geprägt von der Polarisierung in Gut und Böse, Mächtig und Ohnmächtig, Schwarz und Weiß. Wir können nur die eine Position besetzen oder die Andere. Dazwischen stehen keine Stühle.

Das Auge

MärchenGeschrieben von ameli So, Januar 24, 2010 22:57:00
Am Steinsee sind mir keine Steine aufgefallen, aber ein Buchenauge. Wer schaut da hinaus? In den Nag Hamadi Texten gibt es eine Geschichte, ich glaube sie gehört zu den Schöpfungsgeschichten, die Schöpfung der Menschen auf der Erde.
Es ist schon eine Weile her, dass ich sie gelesen habe und ich erzähle hier eine kurze Zusammenfassung

Der Gott, der irrtümlich glaubt, er sei der Erste, von niemandem Geschaffene, der Einzige, dieser Gott wurde geschaffen von der Sophia, die eine unter vielen in einer Göttergemeinschaft war. Sie schuf den, der dann der Einzige, der eifernde Gott wurde. Der wiederum schuf einen Menschen. Sophia sah, dass ihre Schöpfung nicht gelungen war, dass ihr Gott und seine Helfer nicht im Sinne des Göttlichen handelten und schenkte der Frau dieses Menschen ihre Weisheit, dass sie den Gott erkennen möge, als den der er wirklich ist. Die Frau wurde verfolgt und vergewaltigt und um sich zu schützen spaltete sie sich auf. Ihr wahres Ich versteckte sich in einem Baum, wurde ein Baum und das 2.Ich, das Abgespaltene, ließ sich mißbrauchen. Die Schergen Gottes merkten nicht, dass sie nur ein Abbild der Frau in ihrer Gewalt haben.


Vor tausend Jahren begannen Christen in Europa systematisch, alle heiligen Bäume zu zerstören. Große, ehrwürdige Bäume wurden gefällt und Kirchen an ihrer Stelle gebaut. Bis heute lassen sich die Menschen nicht abhalten, zu schönen alten Bäumen zu wandern, Bänke darunter zu stellen und Bäume zu bewundern. Auch für Kinder pflanzt man einen Baum. Brauchen Mädchen noch immer einen Baum?

Definition: Prinzessin

MärchenGeschrieben von ameli Fr, November 27, 2009 18:10:41



Heute erzähle ich euch eines meiner Lieblingsmärchen. Feinfühligkeit und Empfindlichkeit sind hier eine Tugend. Robuste Gefühllosigkeit ist nicht gefragt.



Prinzessin auf der Erbse

Es war einmal ein Prinz; der wollte eine Prinzessin heiraten, aber es sollte eine richtige Prinzessin sein. Deshalb reiste er in der ganzen Welt herum, um eine solche zu finden, aber bei jeder war etwas nicht richtig. Prinzessinnen gab es genug, aber richtige Prinzessinnen fand er nicht, immer gab es etwas, was nicht so ganz stimmte. Er fuhr wieder heim und war sehr bedrückt, denn er wollte so gerne eine wirkliche Prinzessin haben.

Eines abends gab es ein schreckliches Unwetter; es blitzte und donnerte, der Regen war gewaltig und es war einfach schrecklich. Da klopfte es an das Stadttor und der alte König ging hin und öffnete.

Eine Prinzessin stand vor der Tür. Mein Gott, wie sie aussah, aus dem Regen und Unwetter kommend. Das Wasser lief ihr an den Haaren und Kleidern herunter und durch ihre Schuhe hindurch und sie sagte, dass sie eine wirkliche Prinzessin sei.

„Ja das werden wir doch herausfinden“ dachte sich die alte Königin, aber sie sagte nichts, ging ins Schlafzimmer legte zuunterst ins Bett eine Erbse und darauf zwanzig Matratzen und noch einmal zwanzig Entendaunendecken auf die Matratzen.

Dort sollte die Prinzessin die Nacht verbringen.

Am nächsten Morgen fragte die Königin sie, wie sie geschlafen hätte.

„ Oh, entsetzlich schlecht“, sagte die Prinzessin. „ Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan! Gott weiß, was da im Bett war, ich habe auf etwas sehr hartem gelegen so das ich am ganzen Körper grün und blau bin! Es war schrecklich!“

So erkannten sie, dass es eine richtige Prinzessin war, weil sie durch die zwanzig Matratzen und die zwanzig Daunendecken die Erbse gespürt hatte. Niemand konnte so empfindsam sein, außer einer wirklichen Prinzessin.

Der Prinz nahm sie zu seiner Frau, denn er wusste nun, dass er eine richtige Prinzessin gefunden hatte. Die Erbse kam in die Kunstsammlung, wo sie immer noch zu sehen ist, wenn sie noch dort liegt.

Seht, dass war eine wahre Geschichte.



(H.C. Andersen: Die Prinzessin auf der Erbse. Eigene Übersetzung aus dem Dänischen)




Froschkönig

MärchenGeschrieben von ameli Do, November 19, 2009 16:50:23


Es war einmal. So beginnt jedes Märchen und es endet mit „ und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“.

Es war einmal, ferne Vergangenheit, es ist gewesen, es ist vorbei? Sind alle gestorben, ist alles vergessen.

Aber, „wenn sie nicht gestorben sind ,so leben sie noch heute“. Doch nicht vergangen, doch noch lebendig. Was nun, vergangen oder gegenwärtig. Leben wir noch heute diese Märchen oder leben sie uns?


Der Froschkönig

endet in der Werbung immer mit dem obligatorischen Kuss. Als Überraschungsmoment steht dann aber nicht immer der sympathische Prinz vor der Küssenden.Das ist dann aber ihr Problem,

Es erschüttert nicht den unerschütterlichen Glauben der westlichen Welt an der Wirksamkeit eines solchen Kusses zur Erlösung seiner Prinzen.

Ein schönes Märchen, ein modernes Märchen. Denn diese Version der Geschichte wird erst in unsere Zeit so erzählt. Den Brüdern Grimm haben die Frauen damals eine ganz andere Variante aufgetischt. Die ziemt sich allerdings nicht für schöne, nette Prinzessinnen, hat aber funktioniert wie man hört.

Viellicht sollten wir für alle Fälle doch beide Varianten kennen. Falls die eine mal nicht funktioniert.

Also noch einmal


Der Froschkönig

Es war einmal eine junge, hübsche Prinzessin. Die saß am Brunnen und spielte mit ihrer goldenen Kugel, bis sie ihr ins Wasser fiel. Darüber weinte sie sehr, denn die Kugel wird sehr teuer gewesen sein und ihr Vater dementsprechend sauer, wenn sie Ohne wieder nach Hause käme. Oder sie weinte, weil sie sowieso traurig war. Wie auch immer, das Weinen holte den Frosch unter seinem feuchten Stein hervor, er fragte sie, was los sei, hörte sich ihr Jammern an und bot ihr einen Deal an.

„ Wenn ich dir die Kugel wiederbringe, nimmst du mich mit nach Hause und teilst mit mir Tischlein und Bettlein.“

Da sie annahm, man müsse Versprechen gegenüber Fröschen nicht unbedingt einhalten, schlug sie ein. War sie davon ausgegangen, das solch ein Versprechen sowieso als sittenwidrig gilt, oder dass ihr Vater intervenieren könnte, weil sie ja seine Tochter sei und noch ein Kind. Sie irrte sich auf jeden Fall. Bekam ihren Ball wieder, bedankte sich vielleicht gerade noch und lief nach Hause, erleichtert und schnell. Der Frosch war auf jeden Fall zu langsam um mit ihr zu hüpfen.

Sie saß schon beim Essen mit allen am Tisch als er an der Tür klopfte und nach der Prinzessin rief. Diese wollte nicht öffnen, ihr Vater wurde aber unerwartet streng und befahl ihr, dem Frosch auf zumachen und ihr Versprechen zu erfüllen. „Versprechen muss man erfüllen“, er kannte keine Gnade.

Der Frosch setze sich mit an den Tisch, aß und trank, anschließend musste ihn die Prinzessin mit in ihr Zimmer nehmen und er wollte zu guter Letzt mit der Prinzessin in einem Bett schlafen. Jetzt waren sie allein im Zimmer, der Vater war nicht mehr dabei, und ihr platze endgültig der Kragen. Sie warf den Frosch mit aller Kraft an die Wand. Am Boden liegend kam er wieder zu sich und war zum Prinzen geworden. Er erinnerte sich wieder, dass er verzaubert worden war bis eine Prinzessin käme, ihn zu erlösen.

Sein Diener Heinrich hatte sehr unter der Verzauberung gelitten, weil er seit dieser Zeit drei Eisenringe um seine Brust trug, die sich erst lösten, als der Zauber endete.

Und wenn sie nicht gestorben sind so leben sie noch heute.


Diese Variante der Erlösung tut so richtig weh, die Prinzessin ist zickig und brutal. Aber das Ergebnis ist so, wie man es in einem Märchen erwartet, „und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende“. Also happy end.